Nach einigen Jahren Abstinenz, habe ich seit wenigen Wochen wieder ein Aquarium. Platzbedingt ein kleines Dennerle Nano 20, in dem man prima Garnelen halten kann. Von einer Fischhaltung in solch kleinen Becken würde ich abraten, dafür sind diese Becken schlichtweg zu klein und selbst für die kleinsten Fische nicht geeignet.
Um während der Einfahrphase die wichtigsten Wasserwerte im Aquarium festzustellen, hatte Ich mir zunächst einfache Streifentestes besorgt. Man liest zwar immer wieder, dass diese sehr ungenau sind, aber mich interessierten zu diesem Zeitpunkt auch noch keine genauen Messwerte. Ich denke es ist ausreichend, zunächst nur Veränderungen festzustellen, was damit recht einfach zu bewerkstelligen ist. Später kaufte ich dann ein Testset mit Tropftests.
Hier eine Gegenüberstellung der Testmethoden.
Streifentest
Im Baumarkt meines Vertrauens gab es nur ein Produkt – eSHa Aqua Quick Test – also leider keine große Auswahl. Kosten: 15,99 € für 50 Teststreifen.
Folgende Parameter lassen sich damit feststellen:
- NO3 – Nitrat
- NO2 – Nitrit
- GH – Gesamthärte
- KH – Karbonathärte
- pH – Säure-/Basen-Charakter
- Cl2 – Chlor
Wobe ich anmerken muss, dass gerade im Bereich der Gesamthärte die Genauigkeit wirklich zu wünschen übrig lässt. Die Skala ist wie folgt aufgebaut
<6° | >7° | >14° | >21°
Zwischenwerte kann man also nur grob abschätzen 🙁
In der Handhabung sind sie jedoch sehr einfach. Man taucht ein Stäbchen ca 2-3 Sekunden unter Wasser, schüttelt anschließend den Flüssigkeitsüberschuss kurz ab und kann schon nach 1 Sek. den Chlorgehalt ablesen. Für die restlichen Werte wartet man 60 Sek. und vergleicht erneut mit der Farbskala.
Mehr über die einzelnen Werte, deren Bestimmung und chemische Zusammenhänge findest Du z.B. bei Anton Gabriel oder im Wikipedia-Artikel Aquarium im Abschnitt Chemie im Aquarium .
Meine geschätzten Werte sind wie folgt:
NO3=0 | NO2=0 | GH=6 | KH=6 | pH=7 | Cl2=0
Da ich, wie oben erwähnt, zunächst nur Veränderungen feststellen will (Nitritpeak) und im groben den pH- und KH-Wert im Auge behalten möchte (man kann daraus nämlich den CO2 gehalt berechnen), soll mir das erst einmal reichen.
Tropftest
Vor ein paar Tagen habe ich im Keller einige Reste meiner alten Tropftests von SERA gefunden. Leider habe ich keine Ahnung ob die noch brauchbar sind. Die große Suchmaschine hilft hier kaum weiter und die chemische Zusammensetzung dieser Tests dürfte wohl ein großes Geheimnis des Herstellers sein.
Ich mache jedenfalls mal eine Gegenprobe.
Laut (überalterten) Tropftest kommt folgendes heraus:
NO3=5 | NO2=0,3 | GH=? | KH=5 | pH=6,5
Die GH lässt sich leider nicht bestimmen. Die Flüssigkeit in dem Fläschchen scheint dermaßen verklumpt zu sein, sodass man kaum einen Tropfen herauspressen kann. Flüssigkeit ist jedenfalls genug vorhanden (Schütteltest). Trotz intensiven pressens und nach mehr als 20 schweißgebadeten Tropfen gebe ich auf.
Anm.: Die Anzahl der Tropfen entspricht dem °dGH
Das Ergebnis überrascht mich aber schon. Die messbaren Werte decken sich zumindest weitgehend mit den Streifenschätztests. Sollten diese Tropfen noch brauchbar sein, ist immerhin nicht ausgeschlossen das diese Streifentests in den letzten Jahren qualitativ deutlich zugelegt haben.
NO3 | Streifen < 10 | Tropfen = 5 NO2 | Streifen < 1 | Tropfen = 0,3 KH | Streifen = 6 | Tropfen = 5 pH | Streifen = 6,8 | Tropfen = 6,5
Aber nun bin ich gespannt auf aktuelle Werte, mit „frischen“ Tropfentests … eine Fahrt in den Baumarkt meines Vertrauens ist somit obligatorisch, wo ich ein Testset von JBL erstanden habe.
Es gibt m.E. eigentlich keinen Grund der gegen die o.g. SERA Tests spricht. Ich hatte in der Vergangenheit immer gute Erfahrungen damit gemacht. Der Grund für meine Entscheidung ist folgender.
Ich bin ziemlich ziellos durch die Regale in der Aquarienabteilung geschlendert. Hier sind die einzelnen Regalabschnitte nach Hersteller geordnet. Im ersten Abschnitt findet man alles von DENNERLE, im nächsten Abschnitt alles von SERA, ein Stückchen weiter das Regal von JBL, dann Tetra, EHEIM, u.s.w.
Im SERA Regal gab es kaum Wassertests, während das JBL Regal jedoch relativ gut bestückt war – hier scheint es also eine wesentlich größere Produktvielfalt zu geben. Da ich mir in den letzten Tagen per Internet einen groben Preisüberblick angeeignet hatte, konnte ich gut einschätzen, dass diese hier weitgehend denen im Versandhandel entsprechen. Schaut man sich noch die erhältlichen Sets näher an, fällt auf, dass das Ableseverfahren etwas anders ist als bei SERA.
Es wird generell mit zwei Proben gearbeitet. Probe A enthält lediglich die angegebene Menge Wasser aus dem Aquarium, während das Wasser in Probe B mit Testchemikalien versetzt wird. Zum ablesen kommen beide Proben in ein kleines Gestell, welches auf die Farbkarten gelegt wird. Probe A (nur Wasser) steht dabei auf den gefärbten Feldern, Probe B (mit Chemikalien) steht auf einem weißen Feld. Abgelesen wird von oben, man schaut also durch das Wasser hindurch, auf die Farbskala.
Der Vorteil hierbei liegt auf der Hand. Das Wasser im Becken hat immer eine leichte Eigenfärbung. Diese wird bei der beschriebenen Methode berücksichtigt, wodurch offensichtlich eine genauere Einschätzung der Farbunterschiede ermöglicht wird. Natürlich kann man das mit den SERA Tests genau so machen, mir war diese Methode bisher nur nicht bekannt.
Weiterer Grund war, dass es hier sehr günstige Nachfüllpacks der einzelnen Tests gibt. Diese enthalten jedoch nur die Chemikalien und keine Farbkarten.
Zumindest machte mich das Neugierig und ich entschied mich für das kleine Combi Set zum Preis von 39,99 €.
Gemessen werden pH, KH, NO2, NO3 und Fe. Den CO2 Gehalt kann man mit einer beiliegenden Tabelle aus KH und pH bestimmen.
Was auch sehr schön ist, im Set liegen Farbkarten für alle von JBL erhältlichen Tests bei. Auch jene, die nicht im gekauften Set enthalten sind. Hat man also einmal die Grundausstattung gekauft, kann man alle erdenklichen Nachfüllpacks (zum günstigen Nachfüllpreis) kaufen.
Ein wenig geärgert hat mich, dass hier kein GH-Test im Set enthalten ist. Gleichzeitig sind im Set aber zwei leere Fächer für weitere Tests vorhanden. Womöglich soll ja der fehlende GH-Test gleich zum Kauf des ersten Nachfüllpacks anregen. Leider fehlte dieser aber im Regal und ich habe einfach einen von Tetra mitgenommen.
Seitens der Anwendung sind diese Tests alle gleich. Wasser wird mit der beiliegenden Spritze, nach Anleitung, in die Fläschchen (Reaktionsbehälter) gegeben, dann die entsprechende Anzahl Tropfen vom Reagenz dazu, kurz Schütteln, die angegebene Reaktionszeit abwarten und anschließend die Farbe mit der Farbskala vergleichen.
Die Ablesegenauigkeit ist aufgrund des Verfahrens wirklich sehr gut. Man kann kleinste Farbabweichungen gut erkennen und auch Zwischenwerte lassen sich gut abschätzen.
Anders läuft es beim GH- und KH- Test. Hier werden 5ml Wasser in ein Gefäß gegeben und man tropft nach und nach die Chemikalie hinein. Nach jedem Tropfen wird leicht geschüttelt, wobei sich das Wasser bereits ab dem ersten Tropfen färbt. Kommt es nun bei einem Tropfen zu einem harten Farbumschlag, also von rot nach grün (bei GH) oder von blau nach gelb (bei KH), entspricht die Anzahl der bis zu diesem Punkt eingegebenen Tropfen dem Grad der Härte.
Bsp.: Man hat bereits 6 Tropfen eingebracht (leicht schütteln) anschließend kommt der 7. Tropfen (leicht schütteln) und auf Anhieb schwenkt die Farbe von rot nach grün. Entspricht 7° deutscher Gesamthärte (da 7 Tropfen).
Will man es etwas genauer haben, nimmt man einfach die doppelte Menge (10ml) Probenwasser. Dann entspricht jeder Tropfen Testflüssigkeit 0,5° dGH (bzw. 0,5° dKH). Bei o.g Beispiel bräuchte man also 14 Tropfen um 7° dGH festzustellen. Benötigt man 15, liegen 7,5° dGH vor. Für aquaristische Zwecke halte ich eine solche Genaugkeit aber für irrelevant.
Fazit
Alle Testes, egal von welcher Art, liefern in der Regel Ergebnisse die für unsere Zwecke alle mal ausreichend sind. Sie sind aber nicht zu100% genau. Es ist ein Kompromiss zwischen technischen (chemischen) und ökonomischen Gesichtspunkten.
Wesentlich genauer sind Tests die unter Laborbedingungen ermittet werden. Hier werden Probenmenge und beigefügte Chemikalien wesentlich genauer (z.B. mit Pipetten) abgemessen und die Farbumschläge via Photometer ermittelt, also mittels elektronischen Messgeräten. Diese Geräte werden vor jeder Messung (oder Messreihe) mittels Vergleichslösungen immer wieder neu Kalibriert.
Als Aquarianer benötigen wir solch exakten Werte jedoch nicht. Wer es aber mal ganz genau wissen will dem empfehle ich, Kontakt mit der kommunalen Kläranlage (bzw. dem dortigen Klärmeister) aufzunehmen. Ich habe das zwar selbst nich nicht versucht, da hier ganz ähnliche Messungen vorgenommen werden, könnte ich mir gut vorstellen das man hier einige gute Tips bekommt. Er hat auch wesentlich bessere und genauere Möglichkeiten, oder kann ein geeignetes Labor empfehlen.
Nocht ein paar Tipps
- Erkundige Dich bei deinem Wasserversorger (meist Stadtverwaltung, Wasserwerke o.ä.) nach den Werten des Ausgangswassers und vergleiche diese mit dem Wasser aus deinem Wasserhahn. Sind diese annähernd gleich, kannst Du dich künftig weitgehend auf die regelmäßig stattfinden Wassertests des Versorgers (dazu ist er gesetzlich verpflichtet) verlassen. Viele Stadtverwaltungen veröffentlichen diese Untersuchungsergebnisse regelmäßig, oder geben sie auf Anfrage bereitwillig heraus.
- Falls ohnehin ein Wasserwechsel ansteht, sollte das Aquarienwasser generell „vorher“ getestet werden. Es bringt nichts, wenn Du mit dem Wasserwechsel ein mögliches Problem bereits entfernt hast und anschließend die Messungen vornimmst. Wenn Du die Werte von vorher, die Menge des gewechselten Wassers und auch die Werte des Frischwassers kennst, kannst Du die Werte die „nachher“ vorhanden sind leicht ausrechnen.
- Obwohl auf den meisten Messgefäßen eine Skala aufgedruckt ist, mit der man die Probenmenge recht gut ablesen kann, würde ich generell eine Spritze zum abmessen nehmen. An den Kontaktflächen des Wassers mit den Wänden des Testgefäßes steigt der Flüssigkeitsstand an den Rändern leicht an. Je nach Form des Gefäßes (bei Tetra sind sie z.B. rechteckig) kann es leicht zu Ablese- und somit zu Messfehlern kommen. Spritzen aus dem Medizinbereich sind wesentlich genauer und man bekommt sie für kleines Geld in jeder Apotheke. Sich eine kleine Sammlung von 5ml, 10ml und 20ml Spritzen anzulegen ist also nicht verkehrt.Zudem dienen sie auch zur besseren Dosierung von Pflanzendünger. Gerade bei Nano-Aquarien kommen erhebliche Dosierfehler zustande, wenn man ein Präparat hat, das z.B. mit 5ml auf 100l Wasser dosiert werden soll. In einem 20l Becken mit ca. 18l Wasser bräuchte man dann (umgerechnet) 0,9ml Dünger. Dosiert man hier nach dem Schätzverfahren, sind Algenprobleme vorprogrammiert, wie ich schon selbst erleben musste 🙁
- Die Probengefäße vor und zwischen den einzelnen Testes zunächst mit Leitungswasser gut säubern und anschließend mit Aquarienwasser ausspülen (kein Leitungswasser). Saubere Fläschchen einfach ins Aquarium tauchen, ausleeren und das dann 2-3 mal wiederholen reicht völlig aus.An den Rändern bleiben immer einige Tropfen hängen. Wäre dies nun Leitungswasser, hätte man in der Probe eine Mischung aus Leitungs- und Aquarienwasser, was bei der geringen Menge von z.B. 5ml sicherlich zu Messfehlern führt.
- Ein wenig vorsichtig mit schütteln wäre ich bei dem pH-Test. Ohne das ich es genauer begründen kann, denke ich, dass beim schütteln der Probe das enthaltene CO2 ausgetrieben werden könnte und somit der pH-Wert während der Messung ansteigt (also verfälscht wird). Ich würde auch empfehlen, das Wasser sehr vorsichtig mit der Spritze in das Probengefäß zu geben. Also so, dass möglichst wenig Verwirbelungen und nur wenig Kontaktfläche zwischen Wasser und Umgebungsluft entstehen. Spritzt man das Wasser mit ordentlich Druck in das Gefäß, entstehen u.a. kleine Luftbläßchen, die das enthaltene CO2 austreiben und damit den pH-Wert beeinflussen.
